Montag, 14. Oktober 2013

2013.10.14: Newsletter Unterricht

 

"Österreich" vom 13.10.2013                                 Seite 6,7

 

Sonntag

 

NEUE SERIE: REFORMEN FÜR DAS LAND

 

100 Ideen für Österreich

 

Experten. Welche Reformen braucht das Land? ÖSTERREICH bittet Experten und Leser jetzt um ihre Ideen.

 

Kommende Woche starten die Verhandlungen zu einer neuen Koalition im Land. ÖS-TERREICH bringt die besten Reformideen für die kommende Regierung.

 

Beste Köpfe. Mit der Bildung einer neuen Regierung sollen endlich Reformen im Land umgesetzt werden. ÖSTERREICH bringt ab sofort die besten Ideen der klügsten Köpfe und interessiertesten Bürger für die wichtigsten Maßnahmen, die eine neue Bundesregierung umsetzen muss.

 

Thema Bildung. Wir starten die Diskussion mit dem Thema Nummer 1 im Land: Bildung. Welche Schritte müssen gesetzt werden, damit unsere Schüler weltweit wieder top werden? Wie kann die Ausbildung unserer Lehrer verbessert werden? Was muss die Politik hier verändern? Wir haben drei prominente Experten gebeten, uns und Ihnen die besten Reformideen zur Verfügung zu stellen. "Mr. PISA" Günter Haider, Bestseller-Autor Andreas Salcher und Mathematik-Guru Rudolf Taschner starten damit die große Bildungsdiskussion im Land.

 

Wir sammeln 100 Reformansätze für das Land - beteiligen auch Sie sich mit Ihren Beiträgen. Für ein besseres Österreich! (iri)

 

Thema 1: Wie unsere Bildungspolitik verbessert werden muss

 

»Mr. PISA« Günter Haider, Bestseller-Autor Andreas Salcher und Mathematik-Guru Rudolf Taschner legen in drei Schritten ihr Konzept für mehr Bildung in unserem Land vor

 

günter Haider: »Weg mit dem Polit-Einfluss«

 

* 1. REfoRmEn Im poLITI-SCHEn SySTEm: Voraussetzung wären eine produktive Diskussionskultur, der Verzicht auf die Inszenierung ideologischer Schlammschlachten und das Ende der Diffamierung Andersdenkender. Erkenntnisse der Bildungsforschung sollen die Entscheidungen rational lenken. Wissenschaftler sollen unabhängig forschen und publizieren, jede politische Einflussnahme müsste sofortigen Amtsverlust bedeuten. Freunderl-und Parteibuchwirtschaft in Ministerien und Schulbehörden wird unter Strafe gestellt, notwendige Führungspositionen werden neu ausgeschrieben, unabhängige Kommissionen wählen die besten Bewerber aus.

 

* 2. Im UnTERRICHTSBE-REICH: Die Schüler, die Verbesserung der Rahmenbedingungen, die Optimierung des Unterrichts und die erzielten Ergebnisse müssen in den Mittelpunkt gerückt werden: Kein Kind darf zurückgelassen werden! Das Übermaß an Leistungsbeurteilung wird durch pädagogisch hilfreiche Lerndiagnostik und aussagekräftige Kompetenzprofile ersetzt. Wichtige Entscheidungen über Berechtigungen (Abschlüsse) werden durch externe Prüfungen auf Basis der Bildungsstandards abgesichert, Lehrkräfte in ihrer Rolle als Lerncoachs aufgewertet. Unterstützendes Personal (Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Administratoren etc.) wird auf internationalem Standard bereitgestellt, d. h. verzehnfacht.

 

* 3. In dER SCHULoRganISa-TIon: Orientierung an erfolgreichen Ländern; gut funktionierende Organisationsprinzipien sind sinnvoll zu adaptieren, Schulpflicht ist bis 18 zu verlängern. Der Vererbung schlechter Bildungschancen ist durch Gesamtschulen von 6 bis 15 mit mehr und differenzierten Fördermaßnahmen und einem ausreichenden Ganztagsangebot entgegenzuwirken. Überregulierung und Zentralismus werden zugunsten Selbstbestimmung und Selbstverantwortung an den Schulen zurückgedrängt, Schulleitungsteams auf Zeit gewählt. Dienstrechtlich erhalten Lehrer vom Kindergarten bis zur AHS einen All-inclusive-Vertrag, die zeitliche Verteilung auf Unterricht, Beratung, Schulentwicklung und Verwaltung wird mit dem lokalen Leitungsteam jährlich vereinbart. Höhere Qualifikation und mehr Verantwortung werden adäquat entlohnt. Strenge Lehrerauswahl, eine pädagogisch verbesserte Ausbildung und verpflichtende Fortbildung, verbunden mit regelmäßiger Erneuerung der Lehrbefugnis, sollen Unterrichtsqualität und Image heben.

 

GüntEr HaidEr ist "Mr. PISA", Erziehungswissenschaftler und Ass.-Prof. an der Uni Salzburg.

 

Andreas Salcher: »Lehrer besser ausbilden«

 

* foRdERUng 1: Das Wichtigste, das eine neue Regierung anpeilen müsste, ist, in den heimischen Kindergärten und Volksschulen den Kindern nicht die Freude am Lernen zu nehmen, sondern diese zu fördern.

 

Wenn wir uns ein nationales Ziel setzen wollen, dann dieses: Wir wollen die bestes Kindergärten und die besten Volksschulen der Welt! Die Konsequenz wäre, dass wir in fünf bis zehn Jahren auch insgesamt das beste Bildungssystem der Welt vorweisen könnten; dass wir kein Problem mehr mit 1 Million Erwachsener hätten, die nicht lesen können.

 

Und warum kann diese Million Österreicher nicht lesen? Nicht weil sie zu unintelligent zum Lesen wären, sondern weil ihnen schon früh die Freude am Lernen ausgetrieben wurde. Sie wurden von Kindesbeinen an demotiviert.

 

Die wichtigste Forderung in diesem Zusammenhang: Wir brauchen die besten KindergärtnerInnen der Welt! Und dieses Ziel erreichen wir nur dann, wenn diesem Beruf -wie in vielen anderen zivilisierten Ländern auch -eine akademische Ausbildung vorangeht.

 

* foRdERUng 2: Die Abschaffung der zentralen Lehrpläne und deren Ersetzung durch eine echte Autonomie der Schulen. Hier braucht es starke Direktoren, die sich ihre Lehrer aussuchen können; die -ganz wichtig -die Beziehungsarbeit Lehrer-Schüler-Eltern eigenverantwortlich vorantreiben können; die die Individualförderung ihrer Schüler selbst bestimmen können. Als Faustregel gilt: Jede Schule ist anders. Eine Hauptschule im 17. Wiener Gemeindebezirk mit hohem Migrationsanteil braucht andere Lehrpläne als eine über Jahrzehnte gewachsene Hauptschule im Waldviertel.

 

* FoRdeRung 3: Der Lehrerberuf soll -verglichen mit gleichwertigen anderen Berufen -mit ordentlichen Einstiegsgehältern locken. Jungen Lehrern soll der Beruf mit modernen Arbeitsplätzen, mit zeitgemäßer Ausstattung, mit ersprießlichen Aufstiegschancen attraktiv gemacht werden. Dafür müssen sie ihren Job verbindlich von 8 bis 16 Uhr -in der Schule -absolvieren. Mindestens eine Woche Lehrerfortbildung im Jahr müsste darüber hinaus verpflichtend sein. Mein Fazit: Lehrer müssen wie Ärzte ausgebildet werden und dürfen nicht wie Fließbandarbeiter behandelt werden.

 

AndreAs sAlcher ist Bestseller-Autor ("Der talentierte Schüler und seine Feinde").

 

Rudolf Taschner: »Start im Kindergarten«

 

* eRSTenS: Wir beginnen mit der Bildung bei den Kindern viel zu spät. Manche fangen gar erst mit sieben Jahren in der Schule an, Lesen und Rechnen zu lernen. Wertvollste Zeit wurde vergeudet. Zwei Kindergartenjahre, verpflichtend und kostenlos, sind flächendeckend einzuführen. Wobei der Kindergarten sich nicht im Spielen erschöpft, sondern die Kinder bereits zu Freunden der Buchstaben und Ziffern, der Wörter und Zahlen macht. Schon 4-Jährige können lernen, still zuzuhören, Geschichten, die ihnen vorgelesen werden, mit eigener Fantasie fortzuspinnen, und vieles Gleichartiges mehr.

 

* zweiTenS: Die Schulorganisation zu ändern, fordern viele. Es bringt nichts. Von oben vorgegebene Schulformen und Lehrpläne sind unnötiger Ballast. "Wer Chancengleichheit ermöglichen will, muss Schulen ungleich behandeln", fordert der Bildungsforscher Stefan Hopmann. Er hat recht: Der Staat verlangt von den Schulen, dass die 10-Jährigen, die 14-Jährigen klar festgelegte und abprüfbare Kenntnisse und Fertigkeiten erworben haben. Mehr nicht. Das ist, wie beim Eistanzen, die "Pflicht", die von den Schulen zu leisten ist. Daneben gibt es, mindestens genauso wichtig, die "Kür". Je mehr sich die Schulen darin unterscheiden, umso besser. Jede soll sich ihr Profil entwickeln. Die eine nennt sich "Gymnasium", die andere setzt auf eine Ausbildung von Lehrlingen bis zur Matura, die dritte hat künstlerische oder sportliche Schwerpunkte - jede von ihnen ist, wenn sie es gut macht, für Österreich ein Gewinn. Länder wie Finnland mit hoher Jugendarbeitslosigkeit brauchen wir trotz PISA-Erfolgen und hoher Akademikerquote nicht zu beneiden.

 

* dRiTTenS: Gute Bildung hängt allein von guten Lehrern ab. Das beginnt schon bei den Kindergärtnern -Frauen wie Männer. Sie müssen fachlich firm sein und erzieherisches Können besitzen. Dann beschreiten wir den Königsweg: Gute Lehrer verdienen unsere Wertschätzung. Und schlechte Lehrer entlässt der Schuldirektor wie ein verantwortungsvoller Unternehmer. Weil er es den Eltern schuldet.

 

rudolf TAschner ist Mathematik-Guru und Top-Autor ("Die Zahl, die aus der Kälte kam").

 

 

Wiener Zeitung – 14. Oktober 2013

 

In der Bildungspolitik herrscht ein großes Reformbedürfnis - dabei war vor Pisa 2004 noch alles in Ordnung

Der Schatten der Gesamtschule

 

Von Simon Rosner

 

·         Am Anfang war Pisa, seither herrscht in der Bildungspolitik große Aufregung - zu Recht?

 

Wien. Im Wirbelsturm der Nachrichten kann eine kurze Pressemeldung schon einmal untergehen: Die OECD will Schüler in ihren Mitgliedsländern testen, um das Niveau von schulischen Grundkompetenzen zu überprüfen und Rückschlüsse auf die Qualität des Bildungsangebots ziehen zu können.

Soll sie. Aber ist das auch wirklich berichtenswert?

Im Mai des Jahres 2000, als das Unterrichtsministerium diese unspektakulär anmutende Ankündigung machte, war freilich nicht abzusehen, welche Wellen dieses Vorhaben vier Jahre später in Österreich schlagen sollte. Im Jahr 2000 war Pisa eine hübsche Stadt in der Toskana, doch vier Jahre später standen diese vier Buchstaben in erster Linie für das Versagen der österreichischen Bildungspolitik, für eine nationale Blamage, die quasi über Nacht ein enormes Reformbedürfnis in Politik und Zivilgesellschaft schuf.

Am 3. Dezember 2004 wurde die zweite Pisa-Studie veröffentlich, in der Österreich im Ranking weit nach hinten und damit auch aus allen Wolken fiel. "An den Schock damals kann ich mich noch gut erinnern", erzählt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen und damals seit kurzem Direktor eines Gymnasiums in Feldkirch. "Es gab ein ungläubiges Staunen: ,Sind wir wirklich so schlecht?'"

"Nichts weitergegangen"
Seit jenem Tag sind fast neun Jahre, ein Bildungsvolksbegehren und drei Nationalratswahlen vergangen. Doch das Thema Schulbildung ist immer noch ein leidenschaftlich diskutiertes, eines, das Meinungen und Ideologien spaltet, und es ist ein Thema, dem ein ganz besonderer Reformstau attestiert wird. Von fast allen Seiten, mit Ausnahme jener der Regierung, war irgendwann einmal zu hören, dass im Bereich Bildung in den vergangenen Jahren nichts weitergegangen sei. Zuletzt kam genau dieser Befund aus Niederösterreich von Landeshauptmann Erwin Pröll. Der Rückzug von Unterrichtsministerin Claudia Schmied sei in dieser Hinsicht ein "deutliches Einbekenntnis der Schuld".

Nun, tatsächlich sind seit 2007, als Schmied die Agenden nach dem Regierungswechsel von Elisabeth Gehrer übernommen hat, 62 Projekte beschlossen worden, das ist nicht gerade wenig: Die Neue Mittelschule (NMS), in der in einigen Gegenständen zwei Lehrer unterrichten, wird mit dem Schuljahr 2018/19 die Hauptschule komplett abgelöst haben. Es gibt eine neue Lehrerausbildung, die Zentralmatura ist auf Schiene, die Ganztagsschule wird sukzessive ausgebaut, verstärkte Sprachförderungen wurden beschlossen, ein verpflichtendes Kindergartenjahr, eine Bildungsgarantie, um einen Abschluss kostenlos nachmachen zu können. Es wurden flächendeckend Bildungsstandards eingeführt, die polytechnische Schule wird aufgewertet und in der Oberstufe wurde ein Kurssystem entwickelt, bei dem Schüler mit bis zu drei Fünfern im Zeugnis dennoch aufsteigen können, wenn sie in diesen Fächern die negativ absolvierten Module ausbessern.

Die scheidende Ministerin erklärte vor wenigen Tagen, dass Österreich auf einem "richtigen Weg" sei. "Unser Reformweg wird international anerkannt, unsere Schulen sind auf der Überholspur", sagte Schmied.

Die viel zitierte These, dass in der Bildungspolitik in Schmieds Amtszeit rein gar nichts weitergegangen sei, lässt sich jedenfalls angesichts der beschlossenen Maßnahmen nicht belegen. Doch warum ist es ein derart weitverbreiteter, von vielen in der Bevölkerung auch gefühlter Gedanke?

"Wenn man ins Detail geht, sind es halt nur schöne Überschriften, die eigentliche Absicht wurde nicht erreicht", sagt Harald Walser. Stefan Egger, Sprecher der Neos, ergänzt: "Die Regierung hat sich auch keinen Erfolg gegönnt, die einzelnen Maßnahmen wurden schlecht verkauft. Aber es waren eben auch Einzelmaßnahmen, es gab kein großes Ziel."

Frühe Festlegung
Dass gerade in der Bildung die beiden Koalitionsparteien, zumindest auf Bundesebene, geradezu diametrale Vorstellungen eines Schulsystems haben, habe laut Walser in der Bevölkerung das Gefühl hervorgerufen, dass eben gar nichts weitergehe. "Man merkt halt, dass es da völlig unterschiedliche Konzepte und eine völlig verfahrene Situation gibt."

Dass sich SPÖ und ÖVP in der Schulpolitik argumentativ bis zum Stillstand verkeilt haben, hat seinen Ursprung auch an jenem 3. Dezember 2004, als die Pisa-Studie das Land in Schock versetzte. Die SPÖ hatte zwar bereits Ende der 90er Jahre das Thema Gesamtschule aufgebracht, später aber wieder verworfen. Dann kam Pisa, und auf einmal war alles anders. Die SPÖ, damals in der Opposition, legte sich auf die Gesamtschule als dringend notwendige Maßnahme gegen die sehr schlechten Ergebnisse vor allem in den berufsbildenden mittleren Schulen, den Berufsschulen und den polytechnischen Schulen fest. Auch die Grünen sowie kurze Zeit später auch Jörg Haider (damals noch FPÖ) forderten die Gesamtschule der 6- bis 14-Jährigen. Die ÖVP war bereits 2004 dagegen und änderte diese Position nicht, auch wenn einzelne Akteure, wie etwa Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer, bisweilen ausscherten.

 

 

"Kurier" vom 12.10.2013                                    Seite: 4

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, N.Ö., Morgen

 

KOLUMNE

 

"Systemfehler" - die bequemste Ausrede für Bildungsmängel

 

Salomonisch

 

   Aus der vergangene Woche präsentierten Erwachsenen-Bildungsstudie PIAAC lassen sich ein paar nicht ganz bierernst gemeinte Schlüsse ziehen: Zum Beispiel, dass mittelmäßige Lese- und Mathematik-Kenntnisse der Bevölkerung völlig ausreichen, um eine führende Wirtschaftsnation zu sein, siehe Deutschland.

 

   Oder: Schüler, die mit enormem Leistungsdruck zu Höchstleistungen angespornt werden, müssen als Erwachsene nicht unbedingt gescheiter sein als der OECD-Schnitt, ganz im Gegenteil, siehe Südkorea. Und herausragende Testintelligenz schützt nur beschränkt gegen Jugendarbeitslosigkeit, siehe Finnland.

 

   Aber jetzt ganz im Ernst: Dass 17 Prozent der erwachsenen Österreicher nicht ordentlich lesen können und wir auch in Mathe nur wenig über dem OECD-Schnitt liegen, darf man natürlich nicht kleinreden. Aber wie wär's, wenn man aus den Testergebnissen statt der üblichen Forderungen - mehr Geld, mehr Gesamtschule, gähn! - ein paar naheliegende Schlüsse ziehen würde?

 

   Wer will schon üben? Lehrer berichten zum Beispiel, dass in der Volksschule das (altmodische?) Üben und Wiederholen unter die Räder der vielen Projekte geraten ist. In den weiterführenden Schulstufen werden dann aber auch die mathematisch Untalentiertesten zu Integral-und Vektorrechnung gezwungen, während sich niemand darum schert, ob sie denn überhaupt die Grundlagen verstanden haben. (Pst, nicht weitersagen: Die vielen Turmrechnungen, die die 50- plus-Generation zur Strafe aufgebrummt bekam, haben die Fähigkeit zum "Kopfrechnen" außerordentlich unterstützt.)

 

   Wie lange wird nun schon von "Kern- und Erweiterungsstoff" gefaselt? Setzen wir es um! Das würde ein echtes Kurssystem in der AHS-Oberstufe erfordern. Wer das Zeug zum Einstein hat, aber eine sprachliche Null ist, könnte in den humanistischen Fächern nur "Basics" lernen, in den vertiefenden naturwissenschaftlichen Kursen aber zum Höhenflug ansetzen. Mathematisch nicht so Interessierte sollten zumindest Prozentrechnen können, aber nicht mit höherer Mathematik gequält werden.

 

   Logisch ist auch: Wenn an manchen Schulen 100 Prozent Kinder mit "Migrationshintergrund" (und davon 80 Prozent aus sozial schwachen Schichten) sind, die untereinander kaum Deutsch reden, dann scheitert auch das tollste Lehrerteam daran, die schlichtesten Bildungsziele zu erreichen.

 

   Apropos Lehrer: Sie müssen in erster Linie begeisterte Pädagogen sein. Jetzt werden hingegen oft begeisterte Mathematiker oder Germanisten mittelmäßige Lehrer, was hohes Frustrationspotenzial auf allen Seiten birgt.

 

   Nicht zuletzt scheint das heimische System nicht sehr motivationsfördernd zu sein. Wenn ihr nicht lernt, dann … drohen Lehrer. "Na und?", antworten Jugendliche und finden die Aussicht, von der Mindestsicherung leben zu müssen, gar nicht so schlimm. Hauptsache, davon lässt sich noch ein Handy finanzieren. Schließlich redet man sich in Österreich ohnehin seit geraumer Zeit darauf aus, dass das chancenungerechte Bildungssystem allein schuld an der Misere ist. Offenbar sind mehr Konsequenz und Konsequenzen (auch bei Sozialleistungen) nötig. Nein, niemand will südkoreanische Verhältnisse. Aber das Gegenteil davon ist auch nicht erfolgversprechend, siehe Österreich.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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